Sin Nike

Lust hat keine Altersgrenze

Sexpositiv macht glücklich!
Liebesich wer kann!

Vielleicht gibt es da eine Fantasie, die Dich schon lange begleitet. Vielleicht möchtest Du nach einer Trennung noch einmal neu entdecken, wie sich Nähe anfühlen kann. Vielleicht bist Du seit Jahrzehnten in einer Beziehung und fragst Dich: Was gibt es eigentlich noch? Oder Du hast einfach Lust auf etwas, für das Dir bisher die Zeit, der Mut oder die richtigen Menschen gefehlt haben.

Für all das bist Du mit 50, 60, 70 nicht zu spät dran. Du darfst neugierig sein, Dich verlieben, ausprobieren und überraschen lassen. Deine Sexualität gehört Dir – in jedem Alter.

Mit meinem Podcast und meiner Arbeit rund um „Sex in Berlin“ möchte ich unterschiedliche Wege zu Lust, Nähe und Selbstbestimmung sichtbar machen. Denn es gibt so viel mehr Möglichkeiten, als die Bilder vermuten lassen, mit denen viele von uns groß geworden sind.

Du brauchst keinen perfekten Körper.

Wie oft verschieben wir schöne Erfahrungen auf später? Wenn der Bauch flacher ist. Wenn wir uns wieder attraktiver fühlen. Wenn wir endlich selbstbewusster sind.

Dabei muss Dein Körper keine Aufnahmeprüfung bestehen, bevor Du Lust empfinden oder begehrt werden darfst. Er darf Falten haben, weich sein, Narben tragen und sich verändert haben. Du musst auch nicht jeden Zentimeter an Dir lieben, um Dir Berührung und Genuss zu erlauben. Manchmal beginnt ein freundlicherer Umgang mit dem eigenen Körper mit dem Gedanken: Ich darf mich wohlfühlen, so wie ich heute bin.

Und Du brauchst keine perfekte Partnerperson. Vielleicht entdeckst Du etwas gemeinsam mit einem vertrauten Menschen. Vielleicht mit einer neuen Bekanntschaft. Vielleicht erst einmal ganz für Dich.

Sexpositivität lässt Dir die Wahl.

Wer „sexpositive Szene“ hört, denkt möglicherweise sofort an junge Menschen, ausgefallene Outfits und Partys, auf denen alle unglaublich erfahren sind. Das kann einschüchtern. Es beschreibt aber längst nicht die ganze Vielfalt.

Sexpositivität bedeutet für mich, unterschiedlichen einvernehmlichen Formen von Sexualität offen und ohne Abwertung zu begegnen. Dazu gehört genauso, wenig oder keine Lust zu haben, etwas abzulehnen oder eine Fantasie lieber Fantasie bleiben zu lassen. Du musst weder besonders experimentierfreudig sein noch irgendjemandem beweisen, wie offen Du bist.

Es gibt in dieser Szene viel Offenheit, Wärme und einen liebevollen Umgang mit unterschiedlichen Körpern und Lebensweisen. Trotzdem ist jeder Ort anders. Ein guter Rahmen zeigt sich daran, dass Deine Grenzen respektiert werden, Fragen willkommen sind und niemand Dich zu etwas drängt. Dein Nein verdient genauso viel Respekt wie Dein Ja. Und beides darf sich ändern.

Was möchtest Du eigentlich entdecken?

Vielleicht möchtest Du erkunden, wie sich queere Liebe für Dich anfühlen könnte. Einer Anziehung Raum geben, für die Du bisher keine Worte hattest. Du musst Dich dafür nicht sofort festlegen oder mit einem neuen Etikett versehen.

Vielleicht reizt Dich eine Begegnung für eine Nacht: Nähe, die im Augenblick schön ist, ohne dass daraus eine Beziehung werden muss. Vielleicht möchtest Du herausfinden, wie Du dabei Deine Wünsche aussprichst und welche Absprachen Dir Sicherheit geben.

Vielleicht interessieren Dich intensivere Berührungen, Dominanz, Hingabe oder BDSM. Dann darf der Einstieg langsam sein – mit Gesprächen, Wissen und klaren Vereinbarungen. Vielleicht suchst Du aber auch gerade das Sanfte: gehalten werden, kuscheln, eine Berührung spüren, die kein bestimmtes Ziel verfolgt.

Und vielleicht möchtest Du einfach nackt in der Badewanne liegen, warmes Wasser auf Deiner Haut fühlen und einen Moment lang nichts an Dir beurteilen.

Auch das kann dazugehören. Deine Entdeckungsreise muss weder spektakulär aussehen noch eine Geschichte ergeben, die Du später erzählen kannst. Entscheidend ist, was sich für Dich stimmig anfühlt.

Der erste Schritt darf klein sein.

Du musst nicht gleich eine ganze Partynacht planen. Eine Podcastfolge, ein Buch, ein Gespräch oder ein Workshop können ein Anfang sein. Du darfst erst einmal zuhören, Fragen stellen und herausfinden, was Dich anspricht.

Wenn Du eine Veranstaltung besuchen möchtest, helfen oft ganz praktische Informationen: Wie läuft der Abend ab? Gibt es eine Einführung für neue Gäste? Wer ist ansprechbar, wenn Du Dich unwohl fühlst? Was zieht man an?

Auch beim Outfit musst Du keine Rolle spielen. Schau Dir den jeweiligen Dresscode an und suche etwas, in dem Du Dich wohlfühlst. Ob das schlicht, verspielt, sinnlich oder gewagt ist, darf zu Dir passen.

Und setz Dir ein freundliches Ziel: Vielleicht möchtest Du an diesem Abend einfach nur ankommen und die Atmosphäre kennenlernen. Du darfst zuschauen, soweit das im jeweiligen Rahmen vorgesehen ist, ein Gespräch führen und wieder nach Hause gehen. Ein schöner erster Besuch braucht keine sexuelle Begegnung.

Ich möchte Dir Wege zeigen.

Genau darum geht es mir bei „Sex in Berlin“. Im Podcast sprechen wir über unterschiedliche Erfahrungen und Möglichkeiten – von Körpergefühl und Wechseljahren bis zu Bisexualität, Kink und einvernehmlicher Sexualität. Auf unserer Website findest Du den Podcast und weitere Anregungen.

Ich möchte Orientierung geben: Welche Orte und Formate könnten zu Dir passen? Was erwartet Dich dort? Was kannst Du anziehen, wie findest Du einen Einstieg und wie kommunizierst Du Deine Grenzen? Mit solchen Fragen darfst Du Dich gerne bei mir melden. Ich stehe Dir als Wegweiserin zur Seite.

Es gibt viel zu gewinnen: Freude, Nähe, überraschende Begegnungen und ein klareres Gefühl dafür, was Du möchtest. Vielleicht entdeckst Du eine neue Vorliebe. Vielleicht merkst Du, dass Dir etwas Vertrautes besonders guttut. Beides ist wertvoll.

Du darfst heute anfangen. Mit einer Frage, einer Fantasie oder einem kleinen Moment nur für Dich.

Was würde Dir jetzt sexuell Freude machen? Was möchtest du nochmal erleben?

Denn eins ist sicher nur die die losziehen und sich trauen können mit einem Abenteuer zurück kommen!

Nike Wessels

Nike Wessel

Nike Wessel ist Kulturwissenschaftlerin, Medienunternehmerin und Aktivistin aus Berlin. Sie ist die Gründerin und Geschäftsführerin der Agentur Studio36 und war früher Bundessprecherin der Grünen Jugend. Ihr öffentliches Engagement konzentriert sich stark auf die sex-positive Szene und Sexualität, was sich in ihrem Buch „Sex in Berlin: Guide to Love“ und ihrem Podcast „Sex in Berlin (DE)“ widerspiegelt. Sie setzt sich für einen offenen Diskurs, Vielfalt und die Stärkung marginalisierter Gruppen ein.